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PHILOSOPHISCHE BERATUNG

Unser Verständnis philosophischen Denkens

 

Es gibt zwei Arten von Philosophen, denen ich misstraue. Die einen sind die Techniker, die sich die Genauigkeit der Mathematik zum Vorbild nehmen und glauben, die Klarheit liege in der Formel. Die anderen sind die Hagiographen, in deren Händen Philosophie zur endlosen Auslegung heiliger Texte wird. Sollte es tatsächlich philosophische Einsicht geben, so müsste sie auf andere Weise zustande kommen: durch ein Nachdenken, dessen Klarheit, Genauigkeit und Tiefe in der Nähe zur Erfahrung bestünde, die ein jeder mit sich selbst macht, ohne sie recht zu bemerken und ohne sie zu verstehen.
Pedro Vasco de Almeida Prado, zit. in: Peter Bieri, Das Handwerk der Freiheit, Frankfurt am Main, 2007;
"Es ist in der Tat so, dass unser Problem, ..., in gewissem Sinne ein erzeugtes Problem ist. ... Es ist also nicht falsch, wenn jemand sagt: 'Die Probleme, mit denen sich die Philosophen beschäftigen, sind solche, die sie selbst geschaffen haben.' Denn es ist in der Tat eine philosophische Beschäftigung, diejenigen Gedankenlinien auszuziehen, die in praktischen Zusammenhängen unter der Oberfläche bleiben. Falsch aber wäre es, wenn die Diagnose im Ton der Häme und Geringschätzung geäußert würde. Der Prozess, in dem wir zunächst entdecken, dass uns grundlegende Dinge an unserer Erfahrung unklar sind, um dann Klarheit und besseres Verständnis zu suchen, ist nichts, dass als gering einzuschätzen wäre. Er verleiht der Erfahrung eine Artikuliertheit, die sie vorher nicht besaß. Das hat damit zu tun, dass der gedankliche Druck, den das Problem entstehen lässt, uns dazu bringt, Zusammenhänge zwischen Elementen der Erfahrung aufzudecken, die sonst im Verborgenem blieben."
Peter Bieri, Das Handwerk der Freiheit, Frankfurt am Main, 2007, S. 432f

 

  • Philosophisches Denken sollte in letzter Konsequenz stets dem Leben dienen, der Förderung von Freiheit, Vielfalt, Glück, Kreativität, Gerechtigkeit, Liebe, mitmenschlicher Güte und Solidarität.

  • Will philosophisches Denken in diesem Sinn dem Leben dienen, so darf sich philosophisches Denken nicht in den Elfenbeinturm seiner eigenen Geschichte zurückziehen.
    Philosophie hat vielmehr einerseits den Bezug zur lebendigen menschlichen Erfahrung zu wahren sowie andererseits den Austausch mit all jenen modernen Denkbewegungen zu suchen, welche sich in ähnlicher Weise die Emanzipation des Menschen zum Ziel gesetzt haben: mit dem Feminismus, den kritischen Sozialwissenschaften, der Psychoanalyse.

  • Philosophisches Denken dient dem Leben, indem es uns Einsichten in größere Zusammenhänge gewährt, größere Zusammenhänge, die unser Leben prägen und uns dennoch oftmals verborgen bleiben.
    Als philosophisch Denkende fragen wir nach der Angemessenheit und Stimmigkeit unserer Grundüberzeugungen und Werte, wir fragen nach unserer Lebensgeschichte und unserer Einbettung in gesellschaftliche Verhältnisse.
    Im Zuge der Erkundung jener größerer Zusammenhänge eröffnen sich neue Perspektiven, die uns ihrerseits ermöglichen, Hindernisse zu überwinden, Entscheidungen zu treffen, Ziele und Leitbilder zu formulieren und des Sinns unseres Tuns gewahr zu werden.

 

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Unser Verständnis philosophischer Beratung - in Abgrenzung zur Psychotherapie

 

 

  • Im Gegensatz zu psychotherapeutisch Arbeitenden verzichten wir als philosophische Berater auf den Anspruch zu heilen. Und verzichten darauf, Ratsuchenden ein bestimmtes Modell von Krankheit überzustülpen.

  • Möchten Ratsuchende Wege finden, Hindernisse zu überwinden, möchten sie die für sie richtigen Entscheidungen treffen, Ziele oder Leitbilder formulieren oder sich des Sinns ihres Lebens im ganzen gewahr werden, so bemühen wir uns gemeinsam mit ihnen um klarere Einsicht in die größeren Zusammenhänge, in welchen ihr jeweiliges Anliegen oder Problem steht – in Betracht kommen dabei, im Gegensatz zur Psychotherapie auch solche Zusammenhänge, die über die "innere Welt" der Ratsuchenden hinausgehen (siehe oben). Dadurch eröffnen sich den Ratsuchenden zugleich neue Perspektiven und somit Lösungen.

  • Schließlich lernen Ratsuchende im Rahmen Philosophischer Beratung vor allem auch dies: selbstständig zu denken und so in zukünftigen schwierigen Situationen auch ohne fremde Hilfe eigenständig Lösungen zu erarbeiten.

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